September 1700-Mai 1701
September 1700-Mai 1701
2005. LXXXII, 832 S., gebundenISBN 978-3-05-004190-2
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Dieser Band mit insgesamt 392 Briefen beginnt und endet jeweils mit
Informationen über Reisen, die Leibniz nach Wien führen – beide
Reisen geheim angetreten, die zweite darin so erfolgreich, dass sie
erst bei der Bearbeitung der Briefe dieser Edition aufgedeckt werden
konnte. Damit sind bereits zwei Charakteristika dieses Bandes
angesprochen, der Leibniz zum einen häufig fern von Hannover (insgesamt
ca. 6 Monate) zeigt und zum anderen in seinem Bestreben, eigene Wege zu
gehen und dabei gelegentlich Spuren zu verwischen – dies vor
allem vor dem Hintergrund zunehmender Schwierigkeiten am hannoverschen
Hofe und insgeheim, mit großer Intensität betriebener Bemühungen um
eine Anstellung im Dienste des Kaisers. Zusammen mit einem zeitweiligen
Stocken der Korrespondenz ergeben sich daraus sonst eher ungewöhnliche
LĂĽcken und Unklarheiten in der Biographie; als Nebenergebnis der
Bearbeitung der Briefe dieses Zeitraums konnten diverse biographische
Details festgestellt bzw. korrigiert werden.
Die hier vorgelegte Korrespondenz zeigt hauptsächlich den im
politischen Raum agierenden Leibniz, der mit seinen Vorschlägen zur
Kirchenreunion bis in die unmittelbare Umgebung des Kaisers vordringt
und seine Stimme zu drei politischen GroĂźereignissen dieses Zeitraums
erhebt: zur Auseinandersetzung um das spanische Erbe, zu den
Verhandlungen um die Regelung der englischen Sukzession und zur
preußischen Königskrönung. Zwar gelingt es Leibniz nur auf Umwegen und
erst Monate später, seine Huldigung für Friedrich I. in Berlin
vorzubringen (wobei die wohl verworfenen Entwürfe auch seine prekäre
Position als Untertan eines fremden Hofes spiegeln), aber seine Schrift
zur Verteidigung der kaiserlichen Rechte am spanischen Erbe findet
sogleich Interesse am Wiener Hof; und in die Sukzessionserörterungen
Braunschweig-Lüneburgs ist er einbezogen als „Fachreferent“
der KurfĂĽrstin Sophie wie gelegentlich als Interpret ihrer Position
gegenüber der englischen Seite. – Geschieht dies noch unter
Einsatz seiner gelehrten Kontakte, so treten diese insgesamt dann etwas
zurück. Zu erwähnen sind jedoch die umfangreichen Briefe an die
jesuitischen China-Missionare und die Korrespondenz mit dem Präsidenten
der Académie des Sciences in Paris (jeweils mit skizzenhafter
Darstellung der eigenen Ideen, insbesondere im mathematischen Bereich),
der weitere Aufbau der Berliner Sozietät der Wissenschaften im
Zusammenwirken mit den BrĂĽdern Jablonski sowie der gemeinsam mit
Helmstedter Professoren erarbeitete Plan zur Reorganisation dieser
Universität, der den Welfenhöfen vorgelegt, aber wohl erst Jahre später
und nur teilweise verwirklicht wurde. AuĂźenwirkung erzielt Leibniz in
diesem Zeitraum in der république des lettres durch seine
Sozietätspräsidentschaft und vor allem durch die Weiterverwertung
seiner gelehrten Kontakte im Monathlichen Auszug, einer Zeitschrift,
die, von seinem Mitarbeiter Eckhart herausgegeben, unter Leibniz’
Regie steht und zum Teil direkt aus seinen Korrespondenzen schöpft.
Nicht nur damals wurde sie häufig ihm selbst zugeschrieben; durch die
Erschließung der Briefwechsel lässt sich jetzt zumindest teilweise die
Autorschaft an einigen Texten eindeutig klären. Demgegenüber stehen die
Korrespondenzen um die Acta eruditorum, die Leibniz erneut in seiner
Tätigkeit als Berater und Rezensent dieses Journals zeigen. Von den
Korrespondentenbriefen sind vor allem die umfangreichen Berichte ĂĽber
den englischen Buchmarkt hervorzuheben, die Leibniz aus London erhält.
"The reference to two journeys may cause some surprise. The journey made in 1700 that I have just described is well known, but before the publication of the present volume there has been no awareness of a second journey. [...] The editing of this volume satisfies fully the high standards set by the other volumes in the Academy Edition of Leibniz. The texts have been edited with scrupulous care, the various stages of composition being clearly separated."
G.H.R.Parkinson in: Studia Leibnitiana (Band XXXVII/1, 2005)
"Der vorliegende neue Leibniz-Band [...] sollte den Mut bestärken, auf dem bewährten Weg voranzuschreiten. Liegt einmal die Korrespondenz des großen Gelehrten geschlossen vor (ca. 18 000 Briefe), verfügen wir über ein einzigartiges Quellenmaterial, geradezu einen Schatz zur Wissenschafts-, Kultur- und Zeitgeschichte fast eines halben Jahrhunderts, das wesentlich dazu beigetragen hat, die Grundlagen unserer Epoche zu legen."
Detlef Döring in: sehepunkte (7/2007)


