1672-1676. Differenzen, Folgen, Reihen
1672-1676. Differenzen, Folgen, Reihen
2003. XXXIV, 880 S., gebundenISBN 978-3-05-004003-5
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Der vorliegende Band umfaßt 73 Studien, Entwürfe, Aufzeichnungen des
Zeitraums 1672 bis 1676 zu Differenzen, Folgen und Reihen mit Ausnahme
der Texte zur Kreisreihe im engeren Sinne. Dazu gehören neben den
theoretischen Studien unter anderem Exzerpte und Anmerkungen zu de
Saint-Vincent, G. Gosselin, M. Ricci und R. Fr. de Sluse, sowie mit E.
W. von Tschirnhaus angefertigte Gesprächsnotizen.
Nach seiner frühen Beschäftigung mit der Kombinatorik sind die
unendlichen Reihen das erste Gebiet der Mathematik, in dem Leibniz
wissenschaftliche Erfolge erzielt: Im Herbst 1672 gelingt es ihm, die
von Chr. Huygens gestellte Aufgabe der Summierung der unendlichen Reihe
der reziproken Dreieckszahlen zu lösen. Diese Anwendung seiner
Differenzenmethode ermöglicht ihm auch, das Ergebnis auf die weiteren
reziproken figurierten Zahlen auszudehnen und später im harmonischen
Dreieck suggestiv darzustellen.
In Auseinandersetzung mit den Ergebnissen und Methoden von Galilei,
Gregory, Mengoli, Mercator, Pascal und Wallis versucht er in der
Folgezeit, die Tragkraft seines Ansatzes zu erforschen und seine
Resultate zu systematisieren. Dabei behält er immer die praktische
Nutzanwendung im Blick, seien es Tafelwerke oder Wurzelalgorithmen zur
Rechenerleichterung oder die Behandlung empirisch gewonnener
Datenreihen wie bei der Messung der magnetischen Deklination. Zu den
Hauptthemen gehört die Untersuchung der Gemeinsamkeiten und
Unterschiede der Summierung von diskreten und von kontinuierlichen
Größen, die mit der Erfindung der Differential- und Integralrechnung ab
Herbst 1675 besondere Bedeutung gewinnt. Einen weiteren Schwerpunkt
bilden die damit in Zusammenhang stehenden Überlegungen zum
Unendlichen.
Außerhalb der Bandthematik finden sich frühe Belege für die Einführung
der Termini Funktion und transzendent, in einem längeren Exkurs zu
Rollkurven konstruiert Leibniz unbewußt bereits die Kettenlinie und
setzt sich kritisch mit den Ansichten von Descartes über die in der
Geometrie zulässigen Kurven auseinander.

