Begegnungen vor Gericht
Begegnungen vor Gericht
Eine Sozial- und Kulturgeschichte des englischen Arbeitsrechts (1850-1925)
2002. 728 S., gebundenISBN 978-3-486-56589-8
€ 79,80 incl. VAT, free shipping
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Im April 1909 verklagte Charlie Chaplin im Grafschaftsgericht von West
Hartlepool, Nordostengland, den Schatzmeister einer Seemannsmission auf
14 Pfund und 10 Shilling, weil der ihm den vereinbarten Lohn und die
Miete für einen Kinematographen und Filme nicht bezahlt hatte. Die
Klage des gerade zwanzigjährigen, erst später als Filmschauspieler
berühmt gewordenen Chaplin ist eine von mehreren tausend
"Begegnungen vor Gericht", die den Ausgangspunkt und die
Grundlage für dieses Buch bilden.
Aus Berichten und Aktennotizen über Auseinandersetzungen um Löhne,
Kündigungen, Arbeitsunfälle und Vertragsbrüche entsteht eine neuartige
und spannend zu lesende Geschichte des englischen Arbeitsrechts im
Industriezeitalter. Willibald Steinmetz untersucht erstmals die Praxis
der niederen Gerichte bei Arbeitsstreitigkeiten und lässt dabei nicht
nur die Juristen, sondern auch die Laien, klagende und beklagte
Arbeitnehmer und Arbeitgeber, zu Worte kommen. Klassenjustiz der
Richter, hohe Kosten, undurchschaubare Prozeduren, peinliche
Kreuzverhöre waren nur einige der Gründe, die englischen Arbeitnehmern
wenig Chancen auf Erfolg vor Gericht gaben.
Das Buch belegt, wie sehr die Struktur des englischen Rechts selbst
dazu beitrug, dass die englischen Arbeitsbeziehungen seit dem späten
19. Jahrhundert mehr und mehr zu einer rechtsfreien Zone wurden.
"Dieses differenzierte Urteil von Steinmetz basiert auf gründlicher Quellenarbeit, wie sie bisher wohl noch von keinem anderen Historiker zum englischen Arbeitsrecht geleistet worden ist. Deshalb verdient das Werk von Steinmetz unsere volle wissenschaftliche Anerkennung. Es darf heute füglich zu den Standardwerken der englischen Sozial- und Kulturgeschichte gezählt werden." Jüg Brühwiler in: Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte, Heft 3/4 2007

