GegenErinnerung
GegenErinnerung
Geschichte als politisches Argument im Transformationsprozeß Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas
2006. XXIV, 326 S., 7 illustrations, black and white, gebundenISBN 978-3-486-57873-7
Intellektuelle Diskurse in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa führten Geschichte als politisches Argument, die Vergangenheit gegen die Gegenwart ins Feld, wenn sie offen gegen das "System von Jalta" und den "Stalinismus" polemisierten. Sie erinnerten an "1956" in Ungarn, an "1968" in der Tschechoslowakei, an "1980/81" in Polen, um mit dem Hinweis auf Akte kollektiven Aufbegehrens und der Repression der Gegenwart die Legitimität abzustreiten. Ihre Gegenerinnerungen waren auch integraler Bestandteil jener politischen Auseinandersetzungen, die Ende der 80er Jahre zur Selbstauflösung der sozialistischen Systeme führten; sie trafen die kommunistischen Parteien in ihrem Selbstverständnis, entzogen den geltenden Deutungs- und Rechtfertigungsmustern den Boden und zwangen die Regierungen auf die Opposition zuzugehen, ja schließlich auf die Macht zu verzichten.
Beiträge von: Helmut Altrichter, Carl Bethke, Karsten Brüggemann, Vasile Dumbrava, Rainer Eckert, Ulrike von Hirschhausen, Joachim Hösler, Wilfried Jilge, Claudia Kraft, Iskra Iveljic, Hans Lemberg, Rainer Lindner, Bogdan Murgescu, Alvydas Nikžentaitis, Attila Pók, Holm Sundhaussen, Stefan Troebst, Markus Wien
Helmut Altrichter: Einführung
Joachim Hösler: Perestroika und Historie. Zur Erosion des sowjetischen Geschichtsbildes
Karsten Brüggemann: "Wir brauchen viele Geschichten". Estland und seine Geschichte auf dem Weg nach Europa?
Ulrike von Hirschhausen: Denkmal im multiethnischen Raum. Zum Umgang mit der Vergangenheit in der Gegenwart Lettlands
Alvydas Nikžentaitis: Gestürzte und neuerrichtete Denkmäler: Geschichte im Transformationsprozeß Litauens
Rainer Lindner: Geschichtswissenschaft und Geschichtspolitik in Weißrußland. Erinnerungskonkurrenzen in spät- und postsowjetischer Zeit
Wilfried Jilge: Nationale Geschichtspolitik während der Zeit der Perestroika in der Ukraine
Claudia Kraft: Geschichte im langen Transformationsprozeß in Polen
Hans Lemberg: Die Rolle von Geschichte und von Historikern im Zusammenhang mit der "Samtenen Revolution" in der Tschechoslowakei
Attila Pók: Geschichte im Transformationsprozeß Ungarns
Iskra Iveljic: Cum ira et studio. Geschichte und Gesellschaft Kroatiens in den 1990er Jahren
Carl Bethke, Holm Sundhaussen: Zurück zur alten "Übersichtlichkeit"? Geschichte in den jugoslawischen Nachfolgekriegen 1991-2000
Markus Wien: Die bulgarische Monarchie: Politisch motivierte Revision eines Geschichtsbildes in der Transformationsgesellschaft
Bogdan Murgescu: Geschichte im Transformationsprozeß: Rumänien. Politische und institutionelle Rahmenbedingungen nach der Wende
Vasile Dumbrava: Warum Geschichte immer wieder neu betrachtet werden muß. Die Republik Moldova und der Umgang mit der Vergangenheit
Stefan Troebst: "Wir sind Transnistrier". Geschichtspolitik im Ostteil Moldovas
Rainer Eckert: Die historische Erforschung der SED-Diktatur
"Insgesamt ist dieses Buch gelungen, anregend und in Teilen gar produktiv, auch und vielleicht gerade für diejenigen, die sich mit aktuellen politischen Fragen zu beschäftigen haben. In ihrer Mehrzahl illuminieren die verschiedenen Zugriffe, wie Politik Rahmenbedingungen für historische Debatten setzt (oder verschiebt oder wegnimmt), und wie sich aktuelle politische Akteure historischer Motive und, gelegentlich, Munition bedienen." Klaus Segbers, Historische Zeitschrift 284/3, Juni 2007
"Der vorliegende Band beeindruckt durch seine Breite - beinahe alle postkommunistischen Länder werden hier berücksichtigt - und die Gründlichkeit der meisten Beiträge. [...] stellt das Buch für jeden, der sich über die Rolle der Geschichte und der Geschichtswissenschaft in den osteuropäischen Transformationsländern informieren will, ein untentbehrliches Referenzwerk dar." Leonid Luks, sehepunkte 7 (2007), Nr. 11
"That said, the volume remains an important, erudite, and well-documented contribution to the exploration of representations of the past in postcommunist countries. Most chapters are impeccable and well argued." Ulf Brunnbauer, Salvic Review, Heft 4 2007
"Specialists on the region will find sound information and a wealth of bibliographic references. Nonspecialists and students will discover the contingencies of history as a science and learn something about the political culture in this part of Europe." Slavic Review, Heft 4/ 2007
",GegenErinnerung' bietet ein vielgestaltiges Bild über die Umbruchsprozesse in den verschiedenen Gesellschaften des östlichen Europa und die politisch gestaltende Kraft, die der Deutung von Geschichte und dem Kräftespiel darum zukam und zukommt." Sophia Bickhardt, Siebenbürgische Zeitschrift für Landeskunde
"Der Band überzeugt insgesamt durch souveräne Sachkenntnis und pointierte Analysen." Peter Collmer, Jahrbücher für die Geschichte Osteuropas
Helmut Altrichter (Editor)
Helmut Altrichter, geboren 1945, ist Inhaber des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte an der Universität Erlangen.
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